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Bürgermeister-Blog

Gründungsversammlung des „Zweckverbandes Thermische Klärschlammverwertung Amperland (ZVTKA)“

Ein weiterer wichtiger Schritt für eine langfristig gesicherte Abwasserentsorgung unserer Gemeinde und ein Novum in Bayern..

1. Bürgermeister Marcel Fath bei der Unterzeichnung

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

die erfolgreiche Gründung des Zweckverbands hat Nachfragen anderer Regionen aus ganz Bayern ausgelöst. Es ist (leider noch) ein Novum, dass sich Kommunen und Abwasserverbände aus zwei Landkreisen zusammentun, um gemeinsam eine langfristig sichere, nachhaltige, unsere Natur schonende wie auch wirtschaftliche Entsorgung auf den Weg zu bringen. Nun kann an den konkreten Investitionen in Anlagentechnik und Aufbau der Logistik gearbeitet werden.

Dieses Projekt zeigt einmal mehr, welch langer Atem, verbunden mit Kooperations- und Durchhaltewillen erforderlich ist, um kommunale Projekte politisch wie fachlich umgesetzt zu bekommen. Lautstarke Lippenbekenntnisse oder bloßes Fingerschnippen reichen da bei weitem nie.

Mehr über die Hintergründe erfahren Sie aus den nachfolgenden Zeilen unserer gemeinsamen Pressemeldung:

Am 05. April 2022 unterzeichneten die 21 Gründungsmitglieder des neuen „Zweckverbandes Thermische Klärschlammverwertung Amperland, kurz ZVTKA, offiziell ihre Verbandssatzung. Durch diesen Verband wird eine starke Gemeinschaft ins Leben gerufen, welche einen großen Beitrag zu einem langfristigen, sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Klärschlamm in unserer Region leisten wird. Nahezu alle Betreiber kommunaler Kläranlagen der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck gehören dem neuen Zweckverband an.

Bereits im September 2018 trafen sich Vertreter kommunaler Kläranlagen der Landkreise Fürstenfeld- bruck und Dachau zur 1. Infoveranstaltung „Wie geht es weiter mit der Klärschlammverwertung“ in Geiselbullach. Die Resonanz war riesig. Schnell war klar, dass sich die Betreiber dieser kommunalen Kläranlagen zusammentun und eine schlagkräftige, regionale und kollegiale Gemeinschaft gründen müssen, um die Herausforderungen im Bereich Klärschlammverwertung auch zukünftig geschlossen meistern zu können. Getreu dem Motto: „Wir übernehmen Verantwortung für unsere Region und verwerten unseren Klärschlamm dort wo er entsteht.“ Bevor die Satzung schließlich unterschriftsreif war, mussten viele Gemeinde- und Stadtratssitzungen, Besprechungen, Rücksprachen mit Rechtsaufsicht, Bayerischem Gemeindetag und Bayerischem Kommunalem Prüfungsverband (BKPV) und Besuche bei befreundeten Klärschlammzweckverbänden ab- solviert werden. Zusätzlich wurde ein Lenkungsausschuss zur Koordination der Aufgaben eingesetzt. Die 21 Beschlüsse zur Verabschiedung der neuen Verbandssatzung und zum Zweckverbandsbeitritt wurden mit insgesamt lediglich 2 Gegenstimmen gefasst. Der Rückhalt für dieses Projekt in den beiden Landkreisen ist überwältigend.

Hintergrundinformationen zum ZVTK Amperland

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

Gemeinsam wurde im Vorfeld eine Machbarkeitsstudie beauftragt. ExpertenInnen sollten prüfen, ob der in den beiden Landkreisen anfallende Klärschlamm regional in Geiselbullach verwertet werden kann und wenn ja, welche Verfahrensschritte und Technologien dafür geeignet erscheinen. Geprüft wurden rechtliche wie technische Fragestellungen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verwer- tung des lokal anfallenden Klärschlamms am Standort Geiselbullach möglich und sinnvoll ist. Es wurde empfohlen, einen gemeinsamen Zweckverband zu gründen.

Was ist der Zweck des Verbandes?

Seit Jahren steigen die Entsorgungspreise je Tonne Klärschlamm stark an. Das liegt zum einen an der anhaltenden Nachfrageerhöhung nach thermischen Verwertungsmöglichkeiten, zum anderen an der langfristig sinkenden Zahl der Mitverbrennungsmöglichkeiten, wie beispielsweise Kohlekraftwerken. Adäquate neue Verbrennungskapazitäten können bislang nicht mit der Nachfrage schritthalten. Darum haben sich alle kommunalen Kläranlagenbetreiber der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck in einem bislang einzigartigen interkommunalen Projekt zusammengeschlossen, um die Klärschlamment-sorgungsproblematik gemeinsam anzupacken und eine regionale und ökologisch wie ökonomisch langfristig tragbare Lösung für alle Kommunen vor Ort zu erarbeiten. Der innerhalb der beiden Landkreise anfallende Klärschlamm, rund 25.000 t jährlich, soll am Standort Geiselbullach verwertet werden. Sollte es eine praktikable großtechnische Lösung zur Phosphorrückgewinnung geben, welche am Standort Geiselbullach eingesetzt werden kann, soll auch dieser Verfahrensschritt vor Ort durchgeführt werden.

Welche Vorteile ergeben sich durch den neuen Zweckverband Amperland?

Die weiten Entsorgungsfahrten fallen in Zukunft weg. So können die Fahrdistanzen bestenfalls um ca. 90 %, von 450.000 km auf 31.000 km pro Jahr, reduziert werden. Das gilt auch für die Emission von Treibhausgasen – die errechnete Einsparung beträgt 270 t CO pro Jahr. Die Fahrbewegungen in den beiden Landkreisen, verursacht durch Klärschlammtransporte, verringern sich leicht. Die lokalen Fahrbewegungen am Standort Geiselbullach nehmen voraussichtlich geringfügig zu, um 1 – 4 Fahrten täg- lich.

Welches sind die nächsten Schritte?

Zunächst prüft die Rechtsaufsicht Fürstenfeldbruck die Satzung formal, bevor die Gründung im Amtsblatt des Landratsamts Fürstenfeldbruck veröffentlicht wird. Ab dem 01.01.2023 soll der ZVTK Amperland dann offiziell seine Geschäfte aufnehmen. Als größtes Zweckverbandsmitglied wird der Amper- Verband die Geschäftsleitung des Verbandes übernehmen.

Hintergrundinformationen zum Thema Klärschlamm

Was ist Klärschlamm?

Beim Duschen oder auf die Toilette gehen entsteht Schmutzwasser. Auch wenn die Sache für uns Ver- braucherInnen an dieser Stelle erledigt scheint, beginnt hier erst der lange Reinigungsweg. Zum Beispiel fließt das Schmutzwasser im Verbandsgebot des AmperVerband zur Kläranlage nach Olching (Ortsteil Geiselbullach) und wird dort in verschiedenen Stufen wieder gereinigt. Anschließend wird es zu 99% sauber in die Amper geleitet. Bei der Reinigung entsteht jedoch auch Biomasse, der sogenannte Klärschlamm, der auf der Kläranlage entwässert und dann in Faultürmen ausgefault wird, um Gas zu erzeugen. Dieses Gas wird direkt auf der Anlage wiedereingesetzt, um Maschinen zu betreiben. Jedes Jahr bleiben so allein beim AmperVerband rund 8.000 t Klärschlamm übrig, die verwertet werden müssen.

Was passiert derzeit mit dem Klärschlamm?

Bis Ende der 80er Jahre wurde Klärschlamm beim AmperVerband als Dünger wieder auf die Felder verbracht. Der Kreislauf war somit geschlossen. Vor allem kleine Kläranlagen wählen diesen Weg der Entsorgung oftmals bis heute. Ihr Anteil sinkt jedoch stetig. Der Grund ist, dass enthaltene Schadstoffe, wie Schwermetalle, Arzneimittelrückstände, Enzyme, Hormone und nicht zuletzt Mikroplastik auf Feldern nichts zu suchen haben und sich deshalb immer mehr kommunale Kläranlagenbetreiber dazu entscheiden, Klärschlamm anderweitig zu verwerten. Beim AmperVerband und vielen anderen Kläran- lagen in der Umgebung wird der Schlamm thermisch verwertet. D.h. er wird in die Mitverbrennung, z.B. zu Kohlekraftwerken oder Zementwerken gegeben und dort als Brennstoff genutzt. Diese Mitverbrennungsstandorte liegen oftmals in Sachsen oder Sachsen-Anhalt.

Wie soll in Zukunft mit Klärschlamm umgegangen werden?

Seit einigen Jahren befindet sich die Klärschlammentsorgung in Deutschland abermals in einem Umbruch. Die Verschärfung der rechtlichen Anforderungen an die zukünftige Verwertung von Klärschlamm zwingt kommunale Betreiber von Kläranlagen zum dauerhaften Umdenken. Ausgelöst wurde dies insbesondere durch die Novelle der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) des Jahres 2017. Demnach wird die bodenbezogene Ausbringung von Klärschlamm langfristig nur noch in den wenigsten Fällen möglich sein. Zusätzlich erhält die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm eine zentrale Be- deutung. Phosphor ist eine endliche Ressource, wird zum Beispiel als Dünger in der Landwirtschaft verwendet und ist somit von zentraler Bedeutung für den Menschen. Aus diesem Grund soll Phosphor zukünftig nicht mit dem Klärschlamm verbrannt, sondern zurückgewonnen und dem Stoffkreislauf wieder zugeführt werden.

Herzliche Grüße

Marcel Fath
1. Bürgermeister

Ansprechpartner

Marcel Fath
1. Bürgermeister

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